Planungsbeispiel Hausgarten

 

Das Haus mit kleinem Gemüsegarten davor

Planungsbeispiel für einen Hausgarten

Permakultur-Design, A-3970 Harbach
683 m Seehöhe

Projektziel ist eine teilweise Selbstversorgung aus dem eigenen Garten mit Obst, Beeren, Kräutern und extensiven und sich selbst aussäenden Gemüsearten.

Folgendes einfache Beispiel zeigt wie in der Permakultur geplant wird, nach grundlegenden vorhandenen Faktoren wie Klima, Geologie, Topographie, Boden, Zonierung nach Häufigkeit der Besuche, auswahl der Elemente nach Multifunktionalität udgl.

Jeder Absolvent eines 72h Permakultur-Designkurses sollte soweit sein, sein eigenes Permakultur-Projekt zu planen. Permakultur ist kein Baukastensystem aus dem Baumarkt, es muss gelebt werden. Mehr dazu erfahren Sie auch im Buch „Die kleine Permakultur-Fibel“.

Der Vorgarten mit Blühsträuchern

Inhalt:
•    Klima und Boden im Waldviertel
•    Ressourcenliste
•    Planung und Zonierung
•    Pflanzliste

Klima und Boden im Waldviertel:

Das Klima ist kühl-boreal und niederschlagsärmer als im angrenzenden Mühlviertel. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 800-900mm, wobei das Niederschlagsmaximum im Sommer fällt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 5 bis 6°C.

Luftaufnahme des zu planenden Projektes

Luftaufnahme des zu planenden Projektes

Das Klima wird durch kurze Vegetationszeit und häufige Früh- und Spätfroste gekennzeichnet. Die Häufigkeit von Winden ist hoch, was auch zu ausgeprägten Schneeverwehungen im Winter führen kann. Gerade vom Herbst bis ins späte Frühjahr wird das Gebiet des Waldviertels von Nebellagen geprägt.

Geologie, Geomorphologie und Boden

Geologisch wird das Gebiet vom Gesteinsbestand des kristallinen Grundgebirges geprägt. Vor allem Granite prägen die Bodenbildung. Mit Abtragungsformen verknüpft sind alte Verwitterungsdecken: tiefgründig aufgemürbtes, kaolinisiertes kristallines Grundgestein und Braunlehmdecken, Blockfluren und Solifluktionsdecken.

Der Obstgarten mit dem Altbestand an Bäumen und Sträuchern

Der Obstgarten mit dem Altbestand an Bäumen und Sträuchern

Es herrschen leichte, sandig-grusige Böden der Braunerde-Podsolreihe über Kristallin vor. Man findet vor allem die Bodentypen der Felsbraunerden über Granit und Semiposole über Granit. Entlang der Gerinne, sowie in Mulden und Gräben sind auch Gleye, Auböden und Anmoore. Diese Bodentypen sind meist engräumig miteinander verzahnt

Ressourcen-Liste

Wasserversorgung:
Brunnen, Dachwasser, Gerinne im nördlichen Grenzbereich Zone III

Windschutz:
Teilweise bepflanzte Grundstücksgrenze mit Ziersträuchern und Obstbäumen, teilweise auch abgeschirmt durch Nachbargebäude und Bäume auf angrenzenden Grundstücken

 

Grundstücksgrenze mit Bachlauf

Bauliche Ressourcen:
Renoviertes Wohngebäude mit mehreren Schlafmöglichkeiten, Werkstatt, Holzschuppen, Gartenhütte,  teils vorbereiteter Gartenzaun, eingezäunter Gemüsegarten

Menschliche Ressourcen:
Partner, eigenes Interesse an der Natur, Permakultur, Kräuter; Mitgliedschaft im Verein Perma-Norikum, hilfsbereite Nachbarschaft, mögliche Permakultur-Interessierte in der Region oder im Freundeskreis

Pflanzliche Ressourcen:
Alter Obstbaumbestand, Beerensträucher, Ziersträucher, nahe Baumschule Artner, ArcheNoah, Pflanzen von Mitgliedern des Vereins Perma-Norikum

Planung und Zonierung

Planungsbeispiel eines Permakultur-Projektes

Planungsbeispiel eines Permakultur-Projektes

Etwas planen bedeutet sich mit Menschen, Ressourcen, Landschaft, Klima, Boden und weiteren Gegebenheit vor Ort auseinander zu setzen. In der Permakultur gilt es verschiedene Elemente miteinander zu verknüpfen, wobei jedes eingesetzte Element mehrer Zwecke erfüllen soll. Großen Wert legt man auf die ökologische Vielfalt, die Schaffung von Kleinklimazonen, Nutzung von Randzonen, den Übergängen von Verschiedenen Bereichen. Grundsätzlich arbeitet man in der Permakultur auf großen Flächen extensiv und auf kleinen Flächen intensiv, so erfolgt auch die Planung von weitläufigen Mustern zu Details im Kleinen.

Zone I: Das Haus – Ausgangspunkt der Zonierung, Mahlzeiten Zubereitung, Rückzugsort, Ideen-Schmiede, Verarbeitungsraum, Lagerraum.
Energiegewinnung über die südöstlich ausgerichtete Dachfläche. Grauwassernutzung von Dusche, Badewanne und Waschmaschine. Auslagerung des WC in hausnahen Bereich, als Komposttoilette. Entsorgung von Küchenabfällen und organischem Material auf Komposthaufen in Zone II.

Zone II: Der Bereich für intensive Mischkulturen, Anzuchtfläche wie Baumschule, Kompostierung, Wasserspeicher.
Umgestaltung des alten Gemüsegartens zu einer Baum- bzw. Pflanzenschule, für die Vermehrung mehrjähriger Pflanzen. Alte Einzäunung bleibt bestehen, Erweiterung um einen Zugang aus dem nördlichen Bereich des Gartens, zur Verkürzung der Wege. Möglicher Platz für ein zukünftiges Kleingewächshaus. Die Zone II bildet durch die Errichtung eines geschlossenen Zaunes einen geschützten Bereich. Zaun kann als mögliche Stütze bzw. Rankhilfe für dornenlose Brombeere oder Japanische Weinbeere und andere dienen. Erweiterung der mehrjährigen Pflanzung in der nördlichen Randzone auf verschiedenen Stockwerken zur Verbesserung des Kleinklimas. Terrassierte Beete angepasst an die Geländeform um dem Gefälle nach Norden entgegen zu wirken. Bepflanzt mit verschiedenen Pflücksalaten wie Rucola oder Eichblatt. Ein- und mehrjähriges Gemüse, unterstützt durch Stickstoffsammler wie Erbsenstrauch, Süßlupine, Ginster. Über unbewirtschafteten Beeten bzw. Komposthaufen, Sitzstangen für Tauben zur Nährstoffanreicherung. Zwischen Haus und Holzschuppen können Wassercontainer aufgestellt werden, mit Hilfe der Schwerkraft kann so bei Bedarf der Gartenabschnitt mühelos bewässert werden. An der Nordwestseite der Hauswand könnten Hasen und Meerschweinchen in Ställen gehalten werden. Mobile Freilaufställe auf angrenzenden Wiesenstücken. Haltung von bis zu 4 Perlhühnern mit Hahn zur Ungezieferbekämpfung. Perlhuhn legt bis zu 180 Eier pro Jahr.

Zone III: Umzäunte Fläche mit Zugängen von Zone II bzw. Zone IV. Zäune dienen als Rankhilfe für Beeren

Eine gute Zoneneinteilung ist die Grundlage der Permakultur-Planung

Eine gute Zoneneinteilung ist die Grundlage der Permakultur-Planung

und Bayernkiwi. Biotop mit südseitiger Terrasse zum Abfangen des Hanges. Südseitige Beschattung des Biotops mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Gemüse und Stauden (Baumscheibenbepflanzung), zur Vermeidung übermäßigen Algenwuchses.  Revitalisierung des an der Grundstücksgrenze verlaufenden Gerinnes zur Förderung der biologischen Vielfalt. Gerinne kann auch überlaufendes Wasser aus Biotop aufnehmen.
Haltung eines Entenpaares, welche bei Bedarf in Zone II oder Zone IV zur Regulierung der Schnecken dürfen. Die Amerikanische Pekingente legt bis 120 Eier oder die Campbellente bis 140 Eier pro Jahr. Geschützter Brutplatz am Wasser als schwimmende Insel ausgeführt.

Zone IV: Offener Bereich für Hauszufahrt, Manipulation von Brennholz. Bäume sind vor Wildverbiss zu schützen. Baumscheibenbepflanzung mit Beerensträuchern und essbaren Blühstauden. Laubengang entlang der Südostseite für Bayernkiwi und Schisandra, der Beerentraube. Freistehendes, südseitig ausgerichtetes Insektenhotel.

Zone V: Wilder, offener Bereich mit Naturhecke, unbewirtschaftet
Pflanzenliste

Im Permakultur-Garten von Walter Margesin, Marling / Südtirol

Im Permakultur-Garten von Walter Margesin, Marling / Südtirol

Bäume
Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschke, Ringlotte, Mispel, Quitte, Gleditschie, …

Beerensträucher
Johannisbeere, Stachelbeere, Jostabeere, Himbeere, Brombeere, Gartenheidelbeere, Preiselbeere, Moosbeere, Erdbeeren, Apfelbeere, Maibeere, Gemeiner Bocksdorn, Taybeere, Japanische Weinbeere, Moltebeere, Silberbüffelbeere, …

Wildobst
Kornelkirsche, Wildrosen, Felsenbirne, Holunder, Sanddorn, Eberesche, Weißdorn, Sauerdorn, Schlehe, Paupau, …

Kräuter

Stauden
Rhabarber, Krenn, Senfkresse, Winterheckenzwiebel, Rucola, …

Schlingpflanzen
Kiwi, Schisandra, Hopfen, Wein, …

Knollengewächse
Topinambur, Knollenziest, Yamswurzel, …

Luftstickstoffbinder
Erbsenstrauch (giftig), Goldregen (giftig), Ginster, Süßlupine, Robinie, …

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