Permakultur ist die Interaktion zwischen Menschen, Pflanzen, Tieren und Umgebungs-Elementen

Das Gestaltungskonzept Permakultur, ursprünglich von Dr. Franklin Hiriam King aus permanenter Agrikultur abgeleitet, wurde in den frühen 1970er Jahren von den beiden Australiern Bruce Charles „Bill“ Mollison und David Holmgren zu einem weltveränderndem Konzept der Nachhaltigkeit.

Schon nach ihrem ersten gemeinsamen Buch „Permakultur – Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur“, stellten die beiden Autoren fest, dass wir mehr als nur eine ausdauernde Landwirtschaft, sondern auch eine permanente menschliche Kultur brauchen. So folgten weitere Bücher, welche uns gerade jetzt im Zeitalter des Wandels als wichtige Werkzeuge in die Hände gegeben wurden.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Ethik der Permakultur – earth care – people care – fair share. Wir haben nur diesen einen Planeten und den gilt es lebens- und liebenswert zu erhalten, damit wir Menschen in Harmonie mit der Natur leben können. Überdenken wir unser Handeln und unseren Lebensstil ist genug für alle da! Neben der Ethik gibt es auch noch einige Gestaltungsprinzipien welche sich gemeinsam über alle Lebensbereiche übertragen lassen.

In den letzten Jahrhunderten, man könnte beinahe sagen, seit Menschengedenken, haben wir sich selbst erhaltende, dynamische, natürliche Systeme durch träge, energieintensive, lineare Systeme auf Kosten von Natur und unsäglichem Leid an Menschen und Tieren, ersetzt. Das Gestaltungskonzept Permakultur zeigt uns einen Weg der Kooperation. Es ist wichtig, dass wir unsere Grundbedürfnisse wie gesunde Lebensmittel, erneuerbare Energie, Schutz durch Kleidung und Wohnraum, Techniken und Wissen, und auch die zwischenmenschliche Kooperation auf mehreren Wegen rückversichern. Dazu kommt noch, dass wir alle uns umgebenden Elemente auf eine Multifunktionalität prüfen sollen.

Permakultur ist mehr als nur ein Elemente-Garten, wo ich wie auf einem Einrichtungsplan Möbelstücke hin und her schiebe. Es geht vielmehr um die nützliche Verknüpfung der Elemente. Mittlerweile ist beinahe in jedem dritten Hausgarten eine Kräuterspirale zu finden, doch wie interagiert dieses Element mit den Menschen, Pflanzen, Tieren und anderen Umgebungselementen? Um hier gleich auch beim Beispiel zu bleiben, eine Kräuterspirale sollte wie eine Trockensteinmauer ohne Mörtel aufgesetzt werden. Die Zwischenräume dienen Insekten und Amphibien. Das zur Sonne hin ausgerichtete kleine Biotop fungiert als Verdunstungs- und Reflektionsfläche, Lebensraum, Vogeltränke und Pflanzbecken für Wasserpflanzen. Die vertikalen Steinwände dienen als thermale Speichermasse und bilden schattige, feuchte Stellen auf der der Sonne abgewandten Seite. Die Kräuterspirale wird von unten mit nährstoffreichem Erdreich, bis oben hin mit nährstoffarmen, sandigem Erdreich befüllt und so kann auch je nach Bedürfnissen der jeweiligen Kräuter bepflanzt werden.

Schöne Kräuterspirale im Permakultur-Projekt Theklasien in Haibach ob der Donau

Doch in welche Interaktion bringe ich die Kräuterspirale zu den Menschen und anderen Umgebungselementen? Klar ist, dass die Kräuterspirale nicht im letzten Eck des Gartens versteckt, sondern sonnenexponiert und möglichst leicht und schnell von der Küche erreichbar sein soll. Vom Platzbedarf sollte ich einen Solartrockner vielleicht auch gleich noch mit einplanen, damit ich mir, wenn alles schön am Wuchern ist, meine Gewürze und Tees für den Winter trocknen kann.


Selbst bei großen Flächen lassen sich durch Agroforst-Systeme zahlreiche Verknüpfungen und Interaktionen aufstellen. Natürlich ist ein Mehrfachertrag auf der selben Fläche wünschenswert, denn Monokulturen aus Getreide bringen eine nur sehr geringe Photosynthese-Leistung, wo es doch so wichtig wäre, die Energie der Sonne aufzufangen und zu akkumulieren. Nahezu das halbe Jahr liegt das Feld ohne Bodenbedeckung zur Sonne exponiert, nach einer kurzen Wachstumsperiode steht dann das Korn im Reifeprozess, wo die Pflanze schon am Verdorren ist und die Saat ausreift – wieder keine Photosynthese-Leistung! Die Königsdisziplin hier unter den Agroforst-Systemen wäre natürlich der vielschichtige, essbare Waldgarten, zur besseren Bewirtschaftung in Reihenkulturen gebracht, auch als Syntropische Agrikultur bezeichnet.

Doch bleiben wir bei einer einfachen Baum-Feld-Wirtschaft, bei einem sogenannten arablen System, aus Baumreihen und Feldflächen. Ein Großteil aller bei uns neu angelegter Agroforste ist auf eine optimale Bewirtschaftung mit Maschinen und ihren Wenderadien ausgelegt, um Mehrfachfahrten zu vermeiden. Die Baumreihen dazwischen als Wertholzanlage und teils auch als Bodendünger über den Blattabwurf oder über die Stickstofffixierung durch Knöllchenbakterien wie bei der Schwarz Erle (Alnus glutinosa). Manch einer denkt an Wildobst, Nüsse oder Maronen, gänzlich vergessen wir aber auf Laubfütterung oder Laubeinstreu.

Eine sehr gutes Beispiel einer Interaktion in einem tropischen Agroforst, auch wenn nur als Monokultur Baumreihen zwischen Feldflächen gepflanzt, stellt die Weißkopfmimose (Leucaena leucocephala), dar. Der aus Südamerika stammende Baum ist sehr gut als Futterpflanze geeignet und kann bei Ziegen sogar bis zu 70% des Futters ausmachen. Als Stickstoffsammler hebt er die Milchleistung der Tiere und düngt auch den Feldboden. Gesammelte Samen werden kurz vor beginn der Regenzeit in Reihen auf Geländekontur eingesät. Nach dem ersten Regen keimen die Samen. Die Sämlinge können auf 20 cm Pflanzabstand ausgedünnt oder verzogen werden. Bereits daumendicke Bäumchen können selektiv entnommen, auf den Stock gesetzt werden, sie treiben rasch wieder aus. Diese Baumreihen auf Geländekontur stoppen Wasser- und Winderosion und sammeln organisches Material.

Kleine gefällte Bäume werden ins Ziegengatter gegeben. Optimal ist zwar wenn man die Tiere zum Futter bringt und nicht umgekehrt, doch bei einem unsachgemäßem Herdemanagement ist „0-gracing“ (kein Weiden) besser als „freerange“ (ohne Hirten herumstreunende Tiere). Optimales Weidemanagement wäre „holistic management“ nach Allan Savory, auch als „mobgracing“ bekannt (Vorbild sind die großen Wildtierherden welche von den Löwen umkreist und dicht zusammengehalten werden und so durch die Savanne ziehen und die Savanne grün erhalten). Zurück im Ziegengatter nagen die Ziegen selbst die Rinde von den Bäumen und fressen dünnes Astwerk mit. Die entrindeten Reste verdorren in der Sonne und bilden rasch ein gutes Feuerholz für Rocketstove oder auch einen Pyrolyseofen.

Der klare Vorteil des Pyrolyseofens ist, dass einerseits die Energie des Holzes optimal genutzt wird, es zu einer schadstoffarmen Verbrennung kommt und anstatt minderwertiger Asche, hochwertige Holzkohle anfällt. Denn genau diese Holzkohle kann zerkleinert wieder in der Komposttoilette zum Einsatz kommen. Die feine Holzkohle hat eine große Oberfläche mit vielen kleinen Poren, in welchen sich Mikroorganismen ansiedeln, diese binden wiederum Feuchtigkeit und Nährstoffe an sich. Mit gut verkompostiertem Material kann der Nährstoffkreislauf für die Feldfrucht zwischen den Baumreihen wieder geschlossen werden.


Um eine Interaktion zwischen zu sumpfigen Boden und Lebensmittelanbau ging es bei einem meiner Feldversuche in Tansania in der Machita Region, direkt am Viktoria See. Die Ausgangssituation war eine von Kühen verdichtete Weidefläche, direkt am Schilfgürtel des Victoria Sees. Staunasser Boden und Kühe passen auch nicht optimal zusammen. Meine Idee war es, nach dem Vorbild der Azteken wie am Ufer des Sees Tenochtitlan (heute die Stadt Mexico City), Chinampas anzulegen. Die Azteken haben Weidenäste in den Boden gerammt, dazwischen Astwerk verflochten und diese überdimensionalen Weidenkörbe mit dem sumpfigen Erdreich von nebenan befüllt. So entstanden im Sumpf befahrbare Wasserwege und dazwischen Feldflächen, welche mannigfaltig bestellt wurden.

Wir legten ein 25 Meter langes, trapezförmiges Hügelbeet an. Mit einfachen Feldhauen, Eimern und Händen, wurde der Aushub in der Mitte zweier Gräben aufgetürmt. Im Anschluss bepflanzten wir den Hügel von unten nach oben mit Taro (Colocasia esculenta), Zuckerrohr, Bananen, Papaya, Limetten und Stickstofffixierern. Zum Abschluss mulchten wir das ganze Hügelbeet. Als ich eineinhalb Jahre später wieder hinkam, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, Steven, mein Kursteilnehmer und Besitzer der Fläche, hatte diesen einen Chinampa auf zehn erweitert. Wir standen vor einem wunderbaren Waldgarten! Die Bäume haben oben die Chance gut mit der Feuchtigkeit zurecht zu kommen, der optimale Standort für Bananen, welche sowieso viel Wasser brauchen. Die Wassergräben waren mit dem Azolla Farn, auch bekannt als Großer Algenfarn (Azolla filiculoides), überwachsen, er dient einerseits als Mulchmaterial, ist aber durch seinen hohen Proteingehalt auch optimales Hühnerfutter. Die Fische, wie zum Beispiel Tilapia, sind unter dem Farnteppich vor Raubvögeln geschützt. Ein großer Vorteil des Standortes war auch der Bestehende Schilfgürtel, welcher die gesamte Anlage bei stürmischem Wetter am See schützt. Einer meiner weiteren Versuche, auf Rusinga Island in der Homabay in Kenia, scheiterte, da bei einem Sturm der See sich die gesamte Versuchs-Anlage holte.


Wenn du gerne mehr über Permakultur und ihre Interaktionen lernen möchtest, dann komme einfach zu einem unserer nächsten Permakultur-Designkurse ins Permakultur-Zentrum Österreichisches Waldgarten-Institut, in Wels / Oberösterreich. Wir sind seit vielen Jahr Lernort für Permakultur und haben einen der ältesten gezielt geplanten und angelegten essbaren Waldgärten Europas.

Werbung