Leben mit Maß und Ziel – Schwein gehabt

Auch Schweine haben ein Recht auf Lebensqualität

Schwein gehabt?!? Ich leiste es mir, mich einfach in der Vorweihnachtszeit dem Stress des Kommerzes nicht auszusetzen und beschränke mich, an meinem neuen Buch zu arbeiten, im Garten ein wenig an den Bäumen herumzuschnippeln, mich von Freunden besuchen zu lassen oder selbst alte Freunde zu besuchen.

Nachdem ich letzte Woche Biobauer Mario Tauerböcks Schnapsbrennerei besuchte, habe ich gestern Abend gemeinsam mit meinem alten Freund Robert, unseren Schulkollegen Christian besucht. Christian hat einen kleinen Bauernhof am Stadtrand von Wels, wo er von der Selbstvermarktung seiner Schweine lebt.

Auch im Winter gibt es frische Salte und Gemüse aus dem unbeheizten Folientunnel

Die Selbstvermarktung erlaubt ihm, seine Schweine auf 180 kg heranreifen zu lassen. Üblicherweise sind Schweine mit 110 kg Schlachtreif, alles was darüber ist bedeutet einen finanziellen Abzug durch die Handel. Christians Kunden schätzen es, dass das Fleisch ein wenig mehr Fett als im Supermarkt hat. Da sein Betrieb etwas eingeent liegt, kann er auch nicht wachsen, das will er auch nicht.

Christian schafft es, wöchentlich 3 Schweine aufzuarbeiten, so dass eigentlich von der armen Sau nichts übrig bleibt. Man bekommt bei ihm Schweinefleisch, Schweinebraten, Schweineschmalz, Krammeln, Frankfurter, Debreziner, Bratwürstl, Knacker, Polnische, Knoblauchwurst, Teuferl, Kaminwurzn, Leberkäse, Leberbunkl und Speck. Eine Delikatesse kocht seine Mutter, das ist das Beuschl aus den Innereien wie Herz, Lunge und Nieren. Bratwürstel sind bei uns Tradition, die muss man Vorbestellen, wird es mal zum Warten, so hat er einen gemütlichen Warteraum, wo es dann den hauseigenen Most zu kosten gibt.

Vogelmiere – frisches Grün im Waldgarten auch im Winter

Sein Warteraum ist sehr beliebt und wird oft auch erst lange nach Feierabend von seinen Kunden verlassen. Das ist auch das eigentliche Büro von Christian, bei einem Glasl Most wird die Großbestellung fürs nächste Familienfest aufgegeben. Über Preise spricht keiner, jeder weiss dass es leistbar ist. Gestern sind auch wir in seiner berüchtigten Stubn gesessen auf ein paar Glasln Most und haben uns mit ihm und anderen Gästen angeregt unterhalten. Zu später Stunde, als dann die Gäste gegangen waren, war er dann wieder mit seiner Arbeit alleine. Da ich es nicht müde bin, immer etwas neues zu lernen, habe ich ihm dann noch geholfen, seine Selchkammer zu bestücken.

Wiesenkerbel sorgt für Abwechslung am Speiseplan im Winter

Ich lebe zwar größtenteils vegetarisch bis vegan, bin aber so flexibel, dass ich wenn es etwas Gutes gibt nicht nein sage! Auf jeden Fall kaufe ich kein Billigfleisch. Mir wird aber auch speiübel, wenn ich nur an fertige Gemüselaibchen in Gaststätten denke – darum baue ich mir mein Zeug lieber selber an! Doch zurück zu unserem nächtlichen Arbeitseinsatz. Christian hatte sich die Tage mit einem seiner schwarfen Messer in den Finger geschnitten, so war es mit seiner offenen Wunde nicht ratsam, das Fleisch welches eine Woche lang in einem Faß in einer Kräutersalzlake eingelegt war, zu arbeiten. So habe ich die schönen großen Fleischstücke aus dem Fass geholt, die Salzlake abgestreift und mit einer Fleischaale einen starken Faden durch das Loch am dünnen Ende des Fleischstückes gezogen. Christian machte die Knoten in den Faden und gemeinsam hängten wir die Fleischstücke, immer 4 bis 5 Stück auf einem Holzstock auf einen Rollwagen, welcher abschließend in die Selch geschoben wurde. Nachdem wir das Fleisch eine weitere halbe Stunde dann abtropfen ließen, wurde ein kleines Feuer in zwei Wannen voll mit Sägespänen entzunden und diese dann unter die Fleschstücke geschoben, das wars!

Es war irgendwie schön mit Christian diese Arbeit zu machen, auch wenn ich fast vegan lebe, hat mir nicht vor diesem Lebensmittel geekelt, vielleicht auch, weil wir uns darüber unterhielt, wie er zu seinen Schweinen steht, die auch im neuen Stall wieder auf Stroh leben dürfen. Er erzählte mir auch davon wie sie im Stroh spielen, es rumwirbeln, sich darin verkriechen und es auch fressen. Ich denke mir, wenn jeder sein Tier töten oder sein Fleisch selbst mitverarbeiten müsste, dann würde ersten weniger Fleisch verzehrt werden und wenn man es isst, dann würde man es feierlich verzehren, im Gedenken an das Tier, welches Gelebt hat um uns seine Energie zu übertragen. Wenn wir es nicht schaffen, mit diesem Bewusstsein Fleisch zu essen, es sondern nur konsumieren, dann sollten wir unseren Fleischkonsum ernsthaft überdenken.

Einen möglichen Weg zu einem zufriedenen Leben in Fülle, zeigen wir dir gerne bei unserem Praxislehrgang im Frühjahr 2020.

Dieser Beitrag wurde unter Berichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.