Wir graben uns einen neuen Brunnen

Die Humusschicht ist ausgehoben und im Garten verteilt

Bei unserer alten Hofstelle, dem Weberhäusls oder auch Häusl auf der Welser Heide ist ein Brunnen dabei, welcher mindestens so alt ist wie das Haus selbst, wenn nicht älter. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Wasserader, welche diesen Brunnen anspeiste ihre Position verändert und ist jetzt 2 Meter südwestlich des alten Brunnen zu finden. Das hat wiederum zur Folge, dass nach den sehr trockenen Sommern, der alte Brunnen nicht mehr ausreichend Wasser führt und wir gezwungen waren, uns etwas zu überlegen.

Die Schalung aus Holz ist in der Grube versenkt

Doch das ganze gestaltete sich nicht sehr einfach, unsere Nachbarn verfügen meist über einen Tiefbrunnen, welche gebohrt sind und bis aus Tiefen von über 70 Metern Wasser fördern. Die städtische Wasserversorgung ist zu weit weg, wir bekamen aber ein unverschämtes Angebot. Der ortsansässige Brunnenbauer hielt uns zwar einen sehr interessanten Vortrag über die Geologie der Welser Heide, zeigte aber nicht wirklich Interesse am Bau eines Brunnen, da er auch für die Stadt die Ortswasserleitung errichtet. Auf Grund der Trockenheit im Vergangenen Sommer hatten die Brunnenbauer Hochsaison und irgendwie fehlte mir der richtige Rat ohne Hintergedanken.

Der erste Brunnenring ist Betoniert

Auch fehlte mir eine Entscheidung zwischen einem gebohrten Tiefbrunnen und einem Brunnen der lebendiges Wasser aus den oberen Schichten führt. Nachdem sich der ortsansäßige Brunnenbauer sehr abwertend über die Radiästhesie äußerte und das mehr oder weniger als Scharlatanerie bezeichnete, wollte ich es wissen! Ich erinnert mich eines Freundes, welcher mir schon einmal einen Platz mit der Wünschelrute ausfindig gemacht hatte und da mir dieser Freund nichts verkaufen wollte, zog ich seinen Rat hinzu. Er fand mehrere mögliche Plätze für einen Brunnen. Zur Auswahl stand unter anderem ein Tiefbrunnen mit 6.000 Liter Wasser in der Stunde und ein normaler 2.500 Liter Wasser in der Stunde. Da ich weder vor hatte, eine Wäscherei zu gründen oder Wasser in Flaschen abzufüllen, war ich sogleich von der 2.500 Liter Variante des Brunnens begeistert.

Thema in der Permakultur ist, sich neuen Technologien nicht zu verschließen, doch alte, einfache Technologien nicht zu vergessen!

Die ersten Schichten des sogenannten C-Horizontes schienen schier unüberwindbar

In der Jahresplanung für 2019 wollte ich unser Forschungsprojekt zur Errichtung eines neuen Hausbrunnens im Eigenbau, im Österreichischen Waldgarten-Institut nach der Hochsaison und den wichtigsten Terminen unterbringen und mit dem Graben beginnen. Ich wollte auch noch warten, bis sich geeignete Volontäre zum Brunnenbauprojekt eingefunden haben. Im September war es dann endlich soweit. Wir begannen mit den Grabearbeiten. Nach dem die Humusschicht abgestochen war, gestaltete sich die folgende Schicht äußerst schwierig und wir mussten eine Spitzhacke verwenden, um diese Schicht überwinden zu können.

Wer einen Brunnen selber gräbt, lernt seinen Boden dann so richtig kennen und ist mit ihm dann Du auf Du!

Alter Beton wird zerkleinert, ausgesiebt und wieder verarbeitet

Nach dem wir das erste Maß erreicht hatten, konnten wir die Brunnenschalung einsetzten, in die Waage bringen und den Zwischenraum von Schalung und Erdreich ausbetonieren. Wir mussten für unser Forschungsprojekt lediglich Zement kaufen, es war ja noch genügend alter Beton vorhanden, welchen wir zerstampften und aussiebten. Nach den ersten 4 betonierten Ringen, setzte sich das Erdreich mehr und mehr aus reinem Schotter zusammen, so viel das Graben leichter und wir konnten aus dem Schotter den Sand heraussieben, welchen wir später wieder für unseren Beton verwendeten.

Zweckentfremdetes Werkzeug: Ein Zimmermannshammer

Das beengte Arbeiten war natürlich eine Herausforderung und gestaltete sich anfangs etwas schwierig, doch man gewöhnte sich daran. Am einfachsten geht es knieend auf einer alten Sitzauflage. Als bestes Grabewerkzeug kristallisierte sich ein Zimmermannshammer mit einer Spitze heraus. Das aufgelockerte Material wurde mit einer Maurerkelle in einen Eimer verfrachtet. Waren 4 Eimer befüllt wurden sie über Etage nach oben gefördert. Später verwendeten wir auch einen Flaschenzug. Beim Hochziehen ist es ratsam eine Zwischenetage aus Brettern einzuziehen unter welche man sich mit Bauhelm geschützt verbirgt.

Der Brunnenschacht im Schnitt

Auf einen Meter Höhe betoniert man 3 Brunnenringe, ich habe etwas gesparrt und bin anstatt der 33 cm auf 40 cm gegangen. Durch die konische Form der betonierten Ringe bekommt man Trittstufen auf welchem man nach oben oder unten steigt. Die Schalung habe ich mit einer LKW Plane verkleidet, früher hat man sie angeblich mit Altöl getränkt, damit sie nicht am Beton haften bleibt. Im Zusammenhang mit Trinkwasser wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Altöl zu verwenden. Zwischen die vier Schalungselemente schraubt man Abstandbretter mit ein, damit die Schalung einfach gelockert  und 33 cm tiefer wieder eingesetzt werden kann.

Ring für Ring wandert der Brunnenschacht nach unten.

Unter unseren Bodenverhältnissen habe ich an einem Vormittag die Tiefe von 40 cm gegraben, am Nachmittag wurde die Schalung nach unten versetzt und im Anschluss der Brunnenring betoniert. Wir haben immer im Mischverhältnis 1:4 betoniert. 1 Schaufel Zement mit 4 Schaufeln Sand zuerst trocken in einer Scheibtruhe (Schubkarre) gemischt, dann noch einmal 1 Schaufel Zement und 4 Schaufeln Sand dazu gegeben und wieder alles gut mit einem Heindl (Feldhaue) durchmischt. Erst dann wurde Wasser dazu gegeben und wieder gut Durchmischt. Der Mörtel wurde in Kübeln (Eimern) nach unten gelassen und sogleich in den freien Spalt gegossen. Einstweilen der nächste Mörtel bereitet wurde, habe ich mit einer Eisenstange im Mörtel gestochert, um in gut zu verdichten und Hohlräume zu vermeiden. Ich habe dem Mörtel immer eine Mindestaushärtezeit von eineinhalb Tagen gewährt. Ansonsten kann es passieren, dass der Neue Ring beschädigt wird und keine sicheren Trittstufen zurück bleiben.

Eines ist sicher, Brunnen graben ist nichts für schwache Nerven!

Beim ganzen Prozeß war mir wichtig mit Bedacht zu arbeiten, jeder Tritt sollte sitzen und kein Eimer sollte mir entgleiten. Wenn ich merkte, dass mein Körper zu sehr beansprucht war, dann ließ ich die Arbeit auch bleiben. Ideal ist diese Arbeit zum Hörbuch hören. Weiters war mir auch wichtig mit möglichst einfachen Ressourcen und unter möglichst primitiven Bedingungen dieses Forschungsprojekt unseres Vereines, des Österreichischen Waldgarten-Instituts durchzuführen. Ich komme immer wieder in Gegenden auf unserem schönen Planeten, wo man mit dem Arbeiten muss, was vor Ort ist!

So können wir diese uns selbst angeeignete Technik bei unseren Projekteinsätzen und Permakultur Lehrgängen unseren Schülern wieder weitergeben.

Nahezu genau auf 4 Meter, ich konnte es kaum glauben, bin ich auf Wasser gestoßen. Ab gut 3,5 Meter wir der Schotter schon etwas naß, doch in dieser Tiefe sammelte sich dann auch gleich Wasser, wenn ich einen Stein aus seinem Bett nahm. Ab dieser Tiefe gestaltete sich die Weiterarbeit nicht mehr so einfach. Ich versuchte zuerst Wasser in Eimern hochzugeben, doch strömte das Wasser wieder sehr schnell nach. Eine einfache elektrische Gartenpumpe war auch mit der bentigten Pumpleistung schnell überfordert. So musste ich im Trüben fischen! Ich wühlte mit meinem Zimmermannshammer den Untergrund auf und Schöpfte mit einem alten Nudelsieb das Abraummaterial in einen Kübel mit einem Loch. So konnte noch zusätzlich Wasser entweichen und machte das Transportmittel nicht noch schwerer.

In einer etwas mühseling Arbeit schaffte ich noch die 30 cm Wassertiefe, was sich mit meinen Gummistiefeln gut ausging, um das mobile Hauswasserwerk als Übergangslösung einsetzen zu können. Mehr zu unseren verschiedenen Forschungsprojekten und Aktivitäten unter www.waldgarteninstitut.at

Hier noch ein kurzes Video aus dem Brunnen, den ich auch liebevoll als mein Loch in welches ich mich zurück ziehe bezeichne!

 

 

 

 

 

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