Goldrausch in Ostafrika – falscher Hoffnungsträger am schwarzen Kontinent!

Unter widrigsten Bedingungen wird Gold gewaschen in Ostafrika

Seit ein paar Jahren gibt es im Westen Kenias, in der Region um den Viktoria See einen wahren Goldrausch. Goldgewinnung in einem der ärmsten und innstabilsten Länder Ostafrikas ist nichts Neues, schon in der Kolonialzeit wurden unter widrigsten Bedingungen Gold und andere Edelmetalle gefördert.

In den vielen kleinen Goldgräberdörfern hat sich von der Technik her nur wenig geändert. Laute Dieselaggregate treiben noch lautere Gesteinsmühlen an, die das Gestein zertrümmern welches unter Tage in einem weitverzweigten Stollennetz gefördert wird.

Zur Ausrüstung eines Bergarbeiters zählen Gummistiefel als Schutz gegen das scharfe Gestein und eine mit Fahrradschlauch am Kopf befestigte Taschenlampe. So ausgerüstet verschwinden sie mit Hammer und Meißel in einem senkrecht abfallenden Schacht. Ohne Belüftung und bei großer Hitze arbeiten hunderte Menschen in einem verzweigten Tunnelsystem und kehren mit Erz im Gewebebeutel nach oben zurück.

Erschöpft, dehydriert, mit geschwollenen und geröteten Augen blicken sie uns entgegen. Oben angekommen, wird der Sack weitergereicht – eine kurze Pause in einem Bretterverschlag, dann geht es wieder runter.

Die zahlreichen Gesteinsmühlen durchziehen das ganze Dorf, dazwischen spielende Kinder bei ohrenbetäubendem Lärm! Von der Gesteinsmühle wird das Gesteinsmehl zur Wäscherei gebracht, wo feiner Goldstaub von den Restmineralien getrennt wird. Mit Hilfe von Quecksilber wird der Goldstaub gebunden.

Dieser Arbeitsprozess ist Frauenarbeit. Junge Mütter, schwangere Frauen und Alte arbeiten in ihren Alltagskleidern mit bloßen Händen und ohne Schutz im Quecksilberbad. Kinder laufen dazwischen herum oder werden sogar auch gestillt. Wurden kleine Mengen Gold, weniger als ein Gramm zu einem Kügelchen gebunden, wird dieses weitergereicht und durch Erhitzen von Quecksilber getrennt.

Das Erhitzen geschieht in einem kleinen mit Kohle befeuerten offenen Ofen. Das Quecksilber verdampft und reines Gold bleibt zurück. In diesem Zustand wird das Gold an die Händler weiter gereicht, von hier nimmt es dann seinen Weg nach Nairobi und in die weite Welt.

Die Kenianische Regierung selbst sieht das Gold als den Wohlstandsbringer für Kenia, so wird nichts gegen den Wildwuchs und die katastrophalen Gesundheits-, Sozial- und Umweltschutz-bedingungen unternommen. Aus dem ganzen Land strömen Menschen in die Region. Die HIV Rate vor Ort und auch im ganzen Land wird nachhaltig dadurch beeinflusst. Prostitution, Alkohol- und Drogenmissbrauch nehmen rapide zu und anstatt einen Beruf zu erlernen, wollen Jugendliche schnellen Reichtum. Teilweise herrscht auch unter den einfachen Landarbeitern Arbeitskräftemangel, da sie anstatt eines Hungerlohns ihr schnelles Glück versuchen!

Ich selbst hatte die Gelegenheit eine dieser unzähligen Goldgräbersiedlungen zu besuchen. Dieser Bericht beruht auf Erzählungen Beteiligter und dem was ich selbst gesehen habe. Wir konnten uns frei bewegen, uns hat jeder erzählt was wir wissen wollten, wir durften alles und jeden filmen und fotografieren. Es war ein Exkursionsziel im Rahmen unseres Permakultur-Trainings und mir hat es selbst auch sehr zu denken gegeben, da ja auch jeder einzelne von uns mitverantwortlich ist. Es ist das Gold, das wir als Schmuck tragen oder in welches wir spekulativ investieren, aber auch unser täglicher Konsum mit welchem wir diese Zustände fördern.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Berichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.