Mit Permakultur kleinbäuerliche Strukturen in El Salvador stärken

Unterwegs im Kanoo am Rio Lempa

Unterwegs im Kanoo am Rio Lempa

Wir verlassen mit dem Pickup die staubige Straße und biegen auf einen Feldweg ein, kurz  darauf stoppen wir. Man erwartet uns bereits, wir holen unser weniges Gepäck von der Ladefläche und klettern nach der Begrüßung etwas unbeholfen in das Kanoos, eines aus Polyester, das andere traditionell aus einem Baum heraus gearbeitet. Wir verlassen das Ufer des Rio Lempa und auch die Hitze des vergangenen Tages. Der Rio Lempa ist mit 320 km der größte Fluss El Salvadors. Er entspringt in Guatemala, fließt ein kurzes Stück durch Honduras und mündet in El Salvador in den Pazifik.

Wandmalerei an einem Gebäude

Wandmalerei an einem Gebäude

Wir befinden uns hier direkt im Flussdelta des Lempa um im Brackwasser zu fischen, vor mir sitzt der Zivi Benedikt aus dem Mühlviertel, er arbeitet für die Organisation Cordes in Playón, einem Projektpartner von Intersol und Mitglied der Biolandbaubewegung Mopao in El Salvador. Sein Chef Luis Erazo ist heute unser Steuermann, mit einer langen Stange schiebt er uns übers Wasser, nahezu lautlos gleiten wir über den Strom. Benedikt war die letzten Tage mein treuer Begleiter und Übersetzer, denn ich war eingeladen für die Mopao verschiedene Projekte zu besuchen und für Mitglieder ein Permakultur-Training abzuhalten.

Gruppenfoto mit den Teilnehmern des Permakultur-Trainings

Gruppenfoto mit den Teilnehmern des Permakultur-Trainings

Eine Woche lang hatte ich die Gelegenheit mit Kleinbauern aus der Umgebung von Tecoluca im Parqe de Tehuacan ein Permakultur-Training abzuhalten und ihnen die Grundlagen und Prinzipien der Permakultur nahe zu bringen. Vielen ist Permakultur aus Landwirtschaft und Garten als eine Form der Dauerkultur bekannt, doch ist die eigentliche Idee, dass jeder sein Leben zukunftsfähig gestalten sollte. Um das ganze etwas zu vereinfachen erkläre ich Permakultur gerne in fünf Säulen: Lebensmittel, Energie, Architektur, Technologie und Kooperation.

Mit Hilfe des A-Frames wird die Geländekontur vermessen

Mit Hilfe des A-Frames wird die Geländekontur vermessen

Aus Sicht der Permakultur ist es wichtig gerade die kleinbäuerlichen Strukturen mit ihrer Biodiversität zu unterstützen und zu stärken, denn gerade diese kleinen Strukturen und die dazu gehörende Vielfalt ist unsere Versicherung in die Zukunft. Für die Agroindustrie reichen unsere Ressourcen nicht aus und so wurde bereits im Jahr 2009 im World Food Report erkannt, dass 50% aller Lebensmittel weltweit von Kleinbauern mit weniger Land als 2 ha produziert werden und hier auch die Zukunft der Ernährungssouveränität liegt. Permakultur versteht sich auch als ein Planungskonzept mit Ethik: Sorge für die Erder, sorge für die Mengschen, teile Gerecht und schränke dich ein!

Zum Frühstück gibt es Barbusas - runde Teigtaschen gefüllt mit Käse und Bohnenpaste

Zum Frühstück gibt es Barbusas – runde Teigtaschen gefüllt mit Käse und Bohnenpaste

Neben den Grundlagen der Permakultur ging ich in den folgenden Tagen auch noch auf die Themen Hausgartendesign, Landwirtschaftdesign, Hausdesign und speziell auf das Thema Erosion mit Wasserspeicherung und Bodenschutz ein. Zur Unterstützung der Gruppendynamik bauten wir gemeinsam einen einfachen Brotbackofen aus Lehm und Kuhmist. Passend zu den Kapiteln bauten wir einen einfachen vertikalen Garten aus Kübeln und Petflaschen für Gärtner ohne Garten und legten einen Mandala-Garten an. Mandalagärten mit ihren Schlüssellochpfaden eignen sich ideal für Haus- und Schulgärten. Weiters schulte ich die Teilnehmer im Herstellen von einfachem Messwerkzeug und dem Anlegen von Wasserretensionsgräben. Die Teilnehmer des Workshops zeigten großes Interesse an den Möglichkeiten für kleine Flächen, wie auch der Erosionsbekämphung.

Abenddämmerung am Fuße des Vulkans

Abenddämmerung am Fuße des Vulkans

In den vergangenen Jahren führten mich verschiedene Projektreisen in Sachen Permakultur in den Sudan, Tansania, Kenia und Sri Lanka wo ich auch direkt mit der lokalen Bevölkerung zu tun hatte, grundsätzlich sind in den ländlichen Gegenden die Unterschiede sehr gering. Eklatant aufgefallen ist mir jedoch, dass vielen Menschen eine Zukunftsperspektive fehlt, um im eigenen Land zu bleiben und dieses zu bestellen, so möchte ich in meinem Bericht mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry abschließen: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Berichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.