Mit MiakWadang im Südsudan

Die Projektgruppe von 2009

Die Projektgruppe von 2009

Projektbericht Sudan-Reise vom 18. Jänner bis 8. Feber 09, für den Verein MiakWadang
von Bernhard Gruber, Permakultur-Desinger

Allgemeine Ernährungslage und Bodenfruchbarkeit:

Der Großteil aller Lebensmittel wird vom Nordsudan in den nördlichen Südsudan importiert, der Süden wird lt. Berichten zu großen Teilen aus Uganda und Äthiopien versorgt. Wie wir deutlich am Beispiel von Mohammeds Garten in Melut sehen konnten, ist der Boden äußerst fruchtbar und für eine

Gemüsestand am Markt in Melut, im Vordergrund sieht man Ägyptischen Spinalt

Gemüsestand am Markt in Melut, im Vordergrund sieht man Ägyptischen Spinalt

Reihe von verschiedenen fruchttragenden Bäumen geeignet. Jedoch ist den Menschen das Mulchen des Bodens gänzlich unbekannt. So liegt die schwarze Erde offen der Sonne ausgesetzt da. Gerade durch die schwarze Färbung der fruchtbaren Tonerde, entsteht in der Trockenzeit während der Mittagshitze ein unwirtliches Backofenklima. Mulchmaterial findet man in großen Mengen, angefangen von den Wasserhyazinthen, die den Nil in anderen Jahreszeiten nur noch schwer beschiffbar machen, bis hin zu mannshohen Gräsern, die zur Urbarmachung der Felder abgebrannt werden, vom ökologischen Schaden der daraus resultiert ganz zu schweigen. Grundsätzlich ist das Wasser als Grenzfaktor zu sehen und nicht der Boden.

In Mohammeds Garden in Melut

In Mohammeds Garden in Melut

Gartenbau in Melut

In Mohammeds Garten fanden wir in dieser Vegetationszeit folgende Pflanzen vor: Gemüse wie Ägyptischer Spinat, Rauke, Gurken, Reste von Okra und Tomate und Fruchttragende Bäume wie Lalup, Lemone, Papajya, Mango, Guave, Neemtree, Banane und so manche Leguminose am Rand. Neben Mohammeds Garten konnten wir in Melut nur einen einzigen Garten finden, dieser Garten zeigt deutlich die Möglichkeiten, auch auf den kleinen Grundstücken die um die Häuser sind auf. So konnten wir zwei Bananencluster, Mangos und Papayas vorfinden.

Garten mit Fruchtbäumen in Melut

Garten mit Fruchtbäumen in Melut

Bei einem weiteren Baum dürfte es sich um Guave handeln. Durch den entstehenden Schatten konnte man deutlich eine Krautschicht erkennen. Solche extensive Gärten könnten nach dem Prinzip des Regenwaldes bzw. des Waldgartens auf verschiedenen Stockwerken aufgebaut werden. Beginnend mit der Knollenschicht, wie Süßkartoffel, Yamswurzel (Dioscorea), Yakon (Smallanthus sonchifolius), u.a. Anschließend die Krautschicht mit Ägyptischem Spinat (Molokhiya), weiteren selbstaussäenden Salaten und Kräutern, dazwischen Leguminosen wie Bohnen und Erbsen und Bodenverbesserer wie Comfrey. Weiter in die Strauchschicht und dann weiter in die Baumschicht.

Die Stockwerke eines Waldgartens (Quelle: Permakultur I, Bill Mollison)

Die Stockwerke eines Waldgartens (Quelle: Permakultur I, Bill Mollison)

Über die Baum- und Strauchschicht können Rankgewächse wieWeinreben, Inkagurke (Cyclanthera pedata), Chajote und weitere Kürbisgewächse klettern.

Kiwano oder Horngurke

Kiwano oder Horngurke

Verschiedene Gurken ähnliche Gewächse wachsen teilweise in Melut und Nyeyok verwildert, wie zum Beispiel die als Badeschwamm verwendete Luffa-Gurke (Luffa cylindrica). Weitere Gurkengewächse in bizarren Formen sind lt. Aussagen verschiedener Personen essbar, werden aber nicht genutzt. Eine davon ist die Horngurke (Cucumis metuliferus), in Europa ist die kultivierte Form Kiwano als Delikatesse bekannt.

Akazien prägen die Landschaft werden jedoch von der Holzkohleproduktion bedroht

Akazien prägen die Landschaft werden jedoch von der Holzkohleproduktion bedroht

Verwendete Wildfrüchte und weitere Möglichkeiten

In Nyeyok werden Bäume wie Verek-Akazien (Acacia senegal) und Lalup und der Strauch Lang mit seinen kleinen Apfel artigen Früchten genutzt. Das Harz der Akazien, auch als Gummiarabicum bezeichnet, wird gelutscht und kann auch als Eindickungsmittel zum Kochen verwendet werden. Der Kern der Lalupfrucht wird wie ein Mandelkern gekocht und so wird dem Kern die Bitterkeit entzogen. Der Kern wird in der Naturheilkunde gegen Bluthochdruck verwendet. Die galertartig überzogene harte Schale wird zuvor abgelutscht.

Die Lang­Frucht von einem dornigen Strauch wird auch am Suk in Khartum verkauft

Die Lang­Frucht von einem dornigen Strauch wird auch am Suk in Khartum verkauft

Auch die Esel lieben diesen leicht bitteren Überzug, können jedoch die Schale mit dem Kern im Inneren, wie in den Exkrementen ersichtlich, nicht verdauen. Teilweise konnte ich Kinder und Jugendliche beobachten, wie sie auf einem Schilfrohrgewächs aus dem Nil kauten, welche auch von den Kühen beweidet werden. Bei unserer Exkursion zu Fuß in Richtung Feld fanden wir die bodendeckende Frucht Athetgeer (Aristolochia bracteolata), welche von den Einheimischen als natürliche Medizin gegen Malaria verwendet wird, die Wirkstoffe der Frucht wären zu prüfen, möglicherweise könnte diese Frucht kultiviert und tatsächlich als Malariamittel verwendet werden.

Athetgeer (Aristolochia bracteolata), Medizin gegen Malaria

Athetgeer (Aristolochia bracteolata), Medizin gegen Malaria

Zusätzliche kann die Frucht als Lebendmulch in den Baumscheiben eingesetzt werden. Die Schoten eines Baumes werden von Ziegen, Schafen, Eseln und Kühen gefressen. Die Schoten können von den Tieren verdaut werden, doch nicht die darin enthaltenen Bohnen, welche in den Exkrementen der Tiere zu finden sind. Die vorverdauten Bohnen könnten von Schweinen aufgenommen und verwertet werden. Es gibt zwar Schweine, die von Stämmen nahe der äthiopischen Grenze auch verzehrt werden, jedoch nicht von den Dinka und auch nicht von den Shilluk. Den Dinka gelten sie wie Ratten und Schlangen als unreine Tiere. Von Menschen aus diesen Randregionen

Hahn und Henne warten auf ihre Bestimmung

Hahn und Henne warten auf ihre Bestimmung

wurden solche Schweine vor einiger Zeit nach Panamdit gebracht, wo sie sich in die Nahrungskette eingeklinkt haben, jedoch von den Menschen geduldet, aber nicht verzehrt werden. Schweine würden Ideal ins System passen, da sie nicht nur in den Exkrementen der anderen Tiere noch Nahrung finden würden, sie könnten auch die Funktion der extensiven Bodenbearbeitung übernehmen. Sie könnten mögliche Schädlinge und Schlangennester im Boden vertilgen, welche jetzt von Schafen, Ziegen und Kühen unbehelligt bleiben. Die Hühner würden wiederum Nahrhaftes zerkleinert in den Exkrementen der Schweine finden. Will man diese proteinreichen Schoten auch Hühnern zugänglich machen, sollten die Schoten gesammelt und in Getreidemühlen geschrotet werden. Verfüttert man dies Schrot an die Hühner, so kann die Legeleistung erheblich gesteigert werden. Steigt die Legeleistung, muss eine zusätzliche Versorgung mit Kalk erfolgen. Dies kann wiederum mit kleingeschlagenen Wasserschneckenhäusern, die man auch noch kilometerweit vom Nil entfernt finden kann, geschehen.

Schöne, jedoch falsch angelegte Treenurserie in Melut

Schöne, jedoch falsch angelegte Treenurserie in Melut

Von essbaren Bäumen und deren Vermehrung

Es gibt weitere Schoten tragende Bäume, bei denen die Schoten wie Fisolen (Grüne Bohnen) verkocht werden können. Einer dieser im Sudan auch teilweise verbreiteten Bäume ist der Moringa Tree (Moringa oleifera), ein wahrer Wunderbaum: Er ist ein Luftstickstoffsammler, das bedeutet ein Bodenverbesserer, grüne Schoten, Wurzeln und Blätter als Gemüse, Samen zur Trinkwasseraufbereitung und hochwertiges, lang lagerbares Öl, Rindengummisaft als Desinfektionsmittel. Mit diesem aus Indien stammendem Baum gab es bereits erste Versuche durch Ben King, der auch schon einige Setzlinge verbreitet hat. Es wäre der richtige Ansatzpunkt bei diesen Versuchen anzuschließen und auszubauen. Die Protein reichen Schoten und Samen könnten einen Teil der Nahrung stellen, nur gilt es den Leuten auch zu zeigen wie man diese Früchte verarbeiten kann. Samen sind soweit vorhanden, es gilt in großem Stil Setzlinge zu ziehen und diese dann zu verbreiten.

Die Frauen von Nyeyok

Die Frauen von Nyeyok

Da es sehr schwer ist, Baumsetzlinge zu bekommen, sollten Kerne und Samen von verzehrten Früchten gesammelt und aus diesen Setzlinge in Töpfen und Containern in Baumschulen gezogen werden. Als Töpfe können Pet-Flaschen und andere Abfälle verwendet werden. Am Markt in Melut könnte beispielsweise ein Samensammelstation installiert werden. Es könnten auch Kinder gegen ein Taschengeld oder Schulartikel mit einer Sammelaktion beauftragt werden. Bananen können vegetativ vermehrt werden. Setzlinge sollten in der Mittagshitze vor der Sonneneinstrahlung in Schattenhäusern geschützt und mit ausreichend Wasser versorgt werden. Diese Schattenhäuser können mit Schilfrohr oder auch engmaschigen, speziell für Beschattung angefertigten Netzen eingedeckt werden. Solche Schattenhäuser können auch auf der Nordseite von Gebäuden angebracht werden und zur Klimatisierung dieser beitragen. Das Schattenhaus soll immer im Nahbereich des Hauses sein, bzw. auf täglich mehrfach frequentierten Wegen.

 

Hirsefeld der Menschen von Nyeyok, mehr als zweieinhalb Stunden Fussmarsch vom Dorf entfernt

Hirsefeld der Menschen von Nyeyok, mehr als zweieinhalb Stunden Fussmarsch vom Dorf entfernt

Von monotären Hirsefeldern und patriachalen Strukturen zu Waldgarten und Agroforst

Durch unseren Versuch das Hirsefeld zu erreichen bekamen wir einen ungefähren Einblick in die Umstände. Es ist zwar schön zu sehen, wie verschiedene Stämme, wie eben die Dinka gemeinsam mit den Shilluk auf dem Feld arbeiten, doch kann diese Arbeit nicht das sein was sie wirklich wirklich wollen. Mehr als 2,5 Stunden beschwerlicher Fussmarsch auf einem schlechten, unbefestigten Weg. Unzureichende Wasserversorgung aus Regenwassersammelbecken im Feldcamp. Schlechte hygienische Zustände. Mangelhafte Ernährungslage. Auf die Frage, warum für den Transport der Leute zum

Verwendetes Messer zum Schneiden der Hirse

Verwendetes Messer zum Schneiden der Hirse

Feld und deren Lasten keine der zahlreichen Esel aus dem Dorf eingesetzt werden, bekam ich die Antwort, dass sie mit den störrischen Tieren nicht umgehen können und diese nur zum Abtransport der Ernte einsetzen. Hier kommt wieder die patriarchale Struktur zum Vorschein, anstatt sich mit dem Esel rumzumühen, werden die Lasten den Frauen aufgeladen. Auch wenn die Hirse ein sehr hochwertiges Lebensmittel ist, ist die damit verbundene Arbeit monoton und stupide. Die Menschen arbeiten in einer Hirsemonokulturwüste beinahe soweit der Horizont reicht. Eine Arbeit die nicht befriedigt und auf Dauer geistig abstumpft.

Dinkafrau beim Mahlen der Hirse

Dinkafrau beim Mahlen der Hirse

Die Felder sind laut Aussagen verschiedener Menschen aufgrund der Vögel, die am Nil leben und ganze Ernten vernichten können, so weit vom Dorf entfernt angelegt. Es werden jedoch diese Felder keine Zukunft haben. Wenn angenommen nur 50 Menschen, einmal in der Woche den beschwerlichen Weg vom Dorf zum Feld und wieder zurück auf sich nehmen, werden in Summe 250 Stunden nur am Weg verbracht. Der beste Lösungsansatz liegt bei Hausgärten und Gemeinschaftsgärten direkt im und um das Dorf. Der Begrenzende Faktor ist nie die Bodenqualität sondern das Wasser, also sollten die Plätze für den Gartenbau nicht nach der Bodenqualität ausgewählt werden, sondern nach

Dreschplatz für die Hirse

Dreschplatz für die Hirse

der Entfernung zum Dorf. Die großen monotonen Hirsefelder wären durch Waldgärten mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Salaten, Kräutern und verschiedenem Gemüse im und um das Dorf zu ersetzen. Hirse könnte weiterhin in Form eines Agroforstes gepflanzt werden, das bedeutet, Intensivbänder wie Hirse oder Mais, wechseln sich mit Extensivbändern aus Leguminosen, Fruchtbäumen und Sträuchern ab. Das ganze sollte ebenfalls in Dorfnähe geschehen, so bleibt mehr Zeit, die Felder zu beaufsichtigen. Gegebenenfalls können auch Kinder mit Steinschleudern Jagd auf Vögel machen. Wer nicht alles auf eine Karte setzt, verliert nicht die ganze Ernte.

Ein Schlammloch, die letzte Wasserreserve

Ein Schlammloch, die letzte Wasserreserve

Leguminosen wie Leucena (Leucaena leucocephala) werden jährlich radikal zurück geschnitten. Hochwertiges, proteinreiches Astwerk kann zuerst an Schafe, Ziegen und Kühe verfüttert werden, alles Astwerk was zu groß ist, kann in sogenannten Lorena-Stoves als Feuerholz verwendet werden, was wiederum der unkontrollierten Holzkohlegewinnung entgegen wirkt. Ein Agroforst bietet zahlreiche ökologische Nischen und so weniger Ansatzpunkte für Auslaugung des Bodens, Krankheiten und Vernichtung durch Schädlinge. Kleine Felder können auch mit Netzen geschützt werden. Abgeerntete Felder können von Haustieren nachbeerntet werden, so werden Schädlinge vernichtet und Reste verwertet.

Agroforst - Intensiv und Extensievbänder wechseln sich ab (Quelle: Gärtnern im Biotop mit Mensch, Kleber)

Agroforst – Intensiv und Extensievbänder wechseln sich ab (Quelle: Gärtnern im Biotop mit Mensch, Kleber)

mandala

Gangammas Mandala (Quelle: Permaculture – A designers manual, Bill Mollison)

Erste Schritte in diese Richtung wären, mehrere Gangammas Mandala, welche in den Tropen konzipiert wurden anzulegen. Diese sollen als Trainingsgärten für die Dorfbewohner gelten. Dorfbewohner können Samen und Stecklinge für ihre eigenen Gärten beziehen. Als Übergangslösung sollte der Weg vom Dorf zum Feld ausgebaut werden und mit Fahrrad und Eselfuhrwerk befahrbar werden. Die ganze Region sollte mit öffentlichen Fahrrädern ausgestattet werden, die jeder im Dorf verwenden kann, wenn er sie braucht. Wie wir an den Chinesischen Fahrrädern im Melut feststellten, sind diese vorteilhafter Weise mit Vollgummireifen ausgestattet. Männer und Frauen sollten trainiert werden

Eselfuhrwerk mit Wassertank in Melut am Hauptplatz

Eselfuhrwerk mit Wassertank in Melut am Hauptplatz

mit den Eseln umzugehen und diese auch einsetzen können. Gleichzeitig sollten sie auch in Bienenhaltung unterrichtet werden. Die Dinka essen gerne Honig, doch ist es das Todesurteil für einen Baum, wenn ein Bienenvolk sich in seinem Astwerk eingenistet hat. Der Honig wäre, wie ähnliche Projekte auch zeigen, eine zusätzliche Einnahmequelle. Den Menschen muss klar gemacht werden, dass die Bienen nicht nur den Honig liefern, sondern auch wichtig für die Bestäubung der Früchte des Gartens sind.

Bienenvolk im Geäst eines Baumes

Bienenvolk im Geäst eines Baumes

Ein Gangammas Mandala könnte in Melut und eines in Nyeyok, unterstützt durch Fördermittel der in Melut stationierten Uno-Truppen, errichtet werden. Diese könnten auch als Vorbild und Trainingsplätze für andere Dörfer dienen. Der Start sollte laut Aussage Kommandeur Karsten Knop sehr bald sein, da er im April 2009 Melut wieder verlassen wird. Laut seiner Aussage will er noch den Start des Projektes in seiner Amtszeit miterleben. Nächste Schritte wären das parallele Anlegen eines Agroforstsystems. Natürlich gilt es Haustiere und Wildtiere temporär aus den Gärten und auch möglichen Agroforsten fernzuhalten. Nach der Ernte können die Tiere die Flächen nachbeernten. Großflächige Gebiete könnten teils der Natur überlassen, oder für Straussenzucht oder andere extensive Proteinlieferanten verwendet werden.

 

Fischer am Nil

Fischer am Nil

Proteinlieferant Fisch und Wasserwirtschaft

Wie wir gesehen haben ist der Nil in dieser Region reich an Fisch. Schwerpunktmäßig lebten die Dinka von der Viehzucht und Hirse. Ihre Nachbarn auf der anderen Seite des Nil, die Shilluk leben vom Fischfang. So sprechen auch die Dinka mit einer leichten Überheblichkeit von ihren Nachbarn. Das gesamte Dorf Nyeyok mit beinahe 600 Einwohnern verfügt über drei Fischerboote, eines davon ist kaputt und liegt am Ufer. Diese Boote sind von der Bauart sehr einfach nach zubauen, nur fehlt es an geschnittenen Brettern. Eine weitere Möglichkeit wäre Papyrusboote nach altem Vorbild

Der Tilapia - das Schwein unter den Fischen - frisst alles! ... und schmeckt auch sehr gut.

Der Tilapia – das Schwein unter den Fischen – frisst alles! … und schmeckt auch sehr gut.

nachzubauen. Es gilt nur vom Dorf die Lagune zu erreichen. Die vorgelagerte Lagune kann einfach befischt werden, auch Aquakulturen nach asiatischem Beispiel sind vorstellbar. Es handelt sich dabei um Fischfarmen welche im Wasser angelegt werden, so müssen am Festland keine großen Zuchtbecken errichtet werden. Korbflechtern könnte das Flechten von einfachen Fischreusen zum Fischfang beigebracht werden. Ein Problem ist auch die Verarbeitung der Fische, wie ich in Melut gesehen habe, werden die Fische ganz primitiv auf stark verschmutzten Lumpen und Säcken direkt am Boden getrocknet. Das Trocknen der Fische sollte aus hygienischen Gründen wenigstens auf Gestängen aus Bambus oder

Der Solartrockner (Quelle: Das neue Buch vom Leben auf dem Lande, John Seymour)

Der Solartrockner (Quelle: Das neue Buch vom Leben auf dem Lande, John Seymour)

Schilfrohrmatten, die in idealer Arbeitshöhe um die 80 bis 90 cm hoch sind, erfolgen. Einfache Solartrockner könnten den selben Zweck erfüllen, weiters könnten Gemüse, Früchte und Kräuter getrocknet und somit haltbar gemacht werden. Eine Möglichkeit wäre, den Fisch in alten Ölfässern zu räuchern. Eine Teichwirtschaft an Land wäre auch zu überlegen, es könnten für den Hausbau genutzte Lehmgruben sekundär als Teich genutzt werden. Ein idealer Fisch für solch eine Teichwirtschaft wäre der Tulipa, das Schwein unter den Fischen. Der Teich stellt das dreidimensionale Gegenbild zum Waldgarten, welcher in die Höhe geht, in die Tiefe dar. Die Ausläufer solcher Teiche, oder gezielt angelegte Tschinampas

Dinka mit Speer bei der Arbeit am Feld

Dinka mit Speer bei der Arbeit am Feld

könnten mit Reis und anderen Früchten bepflanzt werden. Teichmuscheln könnten gezüchtet werden. Auch Enten, wie die Moschusente, welche wir in Melut gesehen haben, passen gut in dieses System, nur werden diese Tiere wieder von den Hunden, welche zum fernhalten der Löwen gebraucht werden bedroht. Die Moschusente schneidet als sehr gute Fleischrasse, mit guten Bruteigenschaften und Mutterinstinkt ab. Die Amerikanische Pekingente legt bis 120 Eier oder die Campbellente bis 140 Eier pro Jahr. Enten bevorzugen geschützte Brutplätze am Wasser als schwimmende Insel ausgeführt.

Beim Dorfbrunnen legten wir gemeinsam mit den Kindern ein Kanalsystem zur Bewässerung eines künftigen Garten an

Beim Dorfbrunnen legten wir gemeinsam mit den Kindern ein Kanalsystem zur Bewässerung eines künftigen Garten an

Verendete Tiere, welche nicht verzehrt werden, können auch in Futtersystemen für Fische oder auch für Hühner als hochwertige Proteinlieferanten eingesetzt werden. Tote Tiere werden über dem Wasser beziehungsweise über dem Hühnerauslauf aufgehängt, die Fliegen legen Eier in den Kadaver, die Maden fallen dann zu Boden oder eben ins Wasser, wo sie von Hühnern und Fischen gefressen werden.

Die schwimmenden Wasserhyazinthen inspirierten mich auch zu schwimmenden Gärten in der

Gemeinsam mit den Kindern von Nyeyok starteten wir ein Gartenprojekt

Gemeinsam mit den Kindern von Nyeyok starteten wir ein Gartenprojekt

Lagune. Kleine Gärten, die auf Flößen errichtet werden, auf welchen Gemüse angebaut wird, welches viel Wasser brauch, wie beispielsweise Kürbisse und Melonen. Melonen wurden bereits im vergangenem Jahr erfolgreich auf den der Lagune vorgelagerten Insel gepflanzt. Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend und sollten ausgebaut werden. Es wurde vor Ort gemeinsam besprochen, von mir mitgebrachte Kürbissamen vom Hokaido, einem sehr gutem Speisekürbis und dem Retzer Gold, einem Ölkürbis, dessen Kerne schalenlos und sehr nahrhaft sind, versuchsweise zu pflanzen. Der Hokaido kann bei einer Temperatur bis zu

Rinderherde von Nyeyok

Rinderherde von Nyeyok

  • 20° C lange Zeit gelagert werden. Die Inseln sind ideal zu bepflanzen, da sie nicht von Kühen, Schafen und Ziegen erreicht werden. Kürbisse werden an Land idealerweise nach altem Vorbild der Hopindianer, gemeinsam mit Mais und Bohnen gepflanzt. Der Kürbis bildet den Lebendmulch, welcher den Boden vor der starken Sonneneinstrahlung und vor Ausschwemmung und Erosion schützt. Der Mais bildet die Rankhilfe für die Bohne, welche wiederum Mais und Kürbis mit Luftstickstoff versorgt. Die drei Schwestern entsprechen dem Prinzip eines Vertikalen Garten.
Reich verzierte Feuerstelle im Dorf Nyeyok

Reich verzierte Feuerstelle im Dorf Nyeyok

Kochen, Backen und Verarbeiten von Hirse

In Nyeyok wird ausschließlich direkt über dem Feuer in Aluminium- und Blechpfannen gekocht. Wobei die Pfanne auf drei Steinen gelagert wird. Das Feuer wird durch eine kleine Mauer vom Wind abgeschirmt. Offene Feuer verbrauchen viel Holz bei geringer Energieleistung. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit den Kindern des Dorfes einen Lorena-Stofe errichtet. Dieser Ofen zeichnet sich durch eine enge Brennkammer bei der eine hohe Hitze bei dünnem Astwerk entsteht. Diese Art eines Ofens ist den Kindern als Ofen zum Schnapsbrennen bekannt. Leider wird dieser

Holzkohlenmeiler nahe Nyeyok

Holzkohlenmeiler nahe Nyeyok

Beim Bau eines Lorena­Stoves

Beim Bau eines Lorena­Stoves

Ofen eben nur für diesen Zweck befeuert, obgleich er auch zum Kochen verwendet werden könnte. Wie wir auch feststellen konnten, kann so ein Ofen ohne großen Aufwand mit den einfachsten Mitteln gebaut werden, er könnte mit dem traditionellen Windschutz errichtet werden. Der Bau eines Brotbackofens lief etwas fehl, da es Verständigungsprobleme mit den Tagelöhnern gab, die glaubten, wir wollten einen Hühnerstall bauen. Ähnlich der Technik, wie die Dinka ihre Häuser bauen, können einfache Brotbackofen gebaut werden. Die Hirse ist ein hochwertiges Lebensmittel, welches durch Ankeimen noch wertvoller wird. Die Hirse könnten in

Mutter und Tochter beim Herstellen eines Joghurts in einer Kalebasse

Mutter und Tochter beim Herstellen eines Joghurts in einer Kalebasse

Gefäßen wie Kalebassen oder in gebrannten Schüsseln zum Keimen gebracht werden. Kalebassen sind durchwegs noch üblich zum Herstellen von Sauermilch. Gebrannte Gefäße konnten wir nicht sehen, jedoch könnten einfache Gefäße aus einer Mischung aus Schwarzton und Sandablagerung aus dem Nil geformt werden. Weiters könnten Elemente für Schmuckstücke und Skulpturen aus der selben Mischung geformt werden. Wenn ich von Skulpturen schreibe, denke ich an die Kühe, welche die Jungen des Dorfes in mühevoller Arbeit geformt und damit gespielt haben. Diese Gegenstände konnten in einem einfachen Erdloch gebrannt werden.

hirsestampfenBei der Verarbeitung der Hirse ist mir aufgefallen, dass die Hirse in einfachen Erdlöchern gestampft wird, ein gewisser Fortschritt wäre wenn die Hirse in ausgehöhlten Baumstämmen mit einer Angel als Widerstand und Rückfeder gestampft würde.

Komposttoilette mit Zweikammernsystem (Quelle: Das neue Buch vom Leben auf dem Lande, John Seymour)

Komposttoilette mit Zweikammernsystem (Quelle: Das neue Buch vom Leben auf dem Lande, John Seymour)

Nährstoffgewinnung im Kompostklo und andere bauliche Maßnahmen

Die Menschen in den Dörfern wurden von der Hilfsorganisation Medair unterrichtet Latrinen zu errichten oder Exkremente zu vergraben. Zu diesem Zweck wurden auch T-Shirts angefertigt welche die Ziele vermitteln sollen. Latrinen sind jedoch tickende Zeitbomben, mir wurde von einem Unfall mit einem toten Kind berichtet,

weiters werden die Langzeitfolgen der Latrinen nicht bedacht. Durch das Verfaulen des Kotes entsteht anstatt fruchtbarer Komposterde, krebserregendes Nitrit im Boden. Genau dieses Nitrit, welches uns auch aus der Wasserprobe des Brunnens in Nyeyok bekannt ist. So ist es eben noch besser, wenn die Bewohner kleiner Dörfer ihre Notdurft in flachen Erdlöchern verrichten und diese im Anschluss mit Erde und anderen

Hausrohbau in Melut

Hausrohbau in Melut

organischen Bestandteilen bedecken, so dass die Feuchtigkeit entzogen und jeglicher entstehender Geruch aufgenommen wird. Damit kann auch verhindert werden, dass sich Fliegen um den Kot sammeln, was bei Latrinen nicht der Fall ist. Auch wenn es sich um eine sehr fruchtbare Region am Nil handelt, sollte den Menschen ein verantwortungsvoller Umgang mit ihren Ressourcen beigebracht werden. Wir sehen selbst in unserer eigenen Kultur, wohin uns das Wasserklo

gebracht hat. Industriedünger muss mit einem hohen Einsatz an Energie hergestellt werden und wir degradieren unser kostbarstes Gut,

Dachkonstruktion eines Dinka-Rundbaus

Dachkonstruktion eines Dinka-Rundbaus

dinkahaus

Entwurf einfache bauliche Veränderung

das Wasser zu einem Transportmittel um das was wir nicht sehen wollen wegzuschwemmen. Überall wo unsere Flüsse in die Meere eintreten gibt es kilometerweite Todeszonen durch die Überdüngung. Es gilt die Menschen dort auf ihrer derzeitigen Stufe abzuholen und hin zu einer Kompostierung ihrer Exkremente zu führen. Wie uns auch Jakobus Langerhorst beim Permakultur-Fieldtrip im September 2008, gemeinsam mit dem Projektteam Miakwadang – Sudan, sehr eindrucksvoll vermittelt hat, kann auch ein Kompostklo an westliche Standards angepasst werden und so eben auch an die Lebensweise der Dinka. Das wesentliche an der Kompostierung ist, dass man im Aerobenbereich arbeitet. Komposterde aus Komposttoiletten kann im Sekundärkreislauf in den Garten eingebracht werden. Das bedeutet, dass kompostierte Fäkalien in Form von feinkrümeliger hochwertiger Erde unter Bäumen ausgebracht werden können. Dies wird die Fruchtbarkeit der Bäume wesentlich anreichern, Zeigepflanzen wie bei uns die Brennnessel werden dann abgeerntet und mit organischen Abfällen gemeinsam kompostiert. Diese neue Komposterde kann direkt im Gemüsegarten ausgebracht werden. Es können keine Krankheiten übertragen werden und der Boden behält seine Fruchtbarkeit. Die richtige Haltung ist beim Stuhlgang auch

Zwei Dinkahungen vor einem Rundbau

Zwei Dinkahungen vor einem Rundbau

sehr wichtig, da bei unseren Toiletten der Darm nicht vollständig entleert wird, Krankheiten resultieren daraus. Architektonisch ließen sich Komposttoiletten auch sehr einfach in der Bauform der Dinka ausführen und ins Dorfbild integriert werden. Zum Bauen muss ich noch allgemein feststellen, dass nicht für einen längeren Bestand gebaut wird. Mit einfachen baulichen Änderungen könnte viel Arbeitszeit gespart werden. Wie wir erfahren haben, gibt es verschiedene Qualitäten an Schilfgras zum Eindecken der Dächer. Vor nicht all zu langer Zeit wurden auch in Europa Häuser mit Stroh oder Schilf eingedeckt. In den Niederlanden findet man zahlreiche neu eingedeckte

Der Dinka-Ziegenstall

Der Dinka-Ziegenstall

Häuser mit genau diesen Dächern. Auch schon in früheren Zeiten hielt die Eindeckung der Dächer mit Stroh bei uns bis zu 30 Jahren. Durch geringe Dachüberstände sind die Wände der Dinkahäuser ständig vom Regen bedroht. Wichtige Veränderungen wären größere Dachüberstände, vollständig verputzte und gekalkte Wände mit Tropfnasen. Für die Regenzeit wäre auch wichtig, die Häuser auf kleinen Kuppeln zu errichten.

Einführung von Regionalwährungen und Mikrokrediten

Dinka-Frau beim Kuhmelken

Dinka-Frau beim Kuhmelken

Regionalwährungen wären wichtig für die Belebung der Region. Eine Währung soll nicht mehr als ein unverderbliches Tauschmittel sein. Vor allem wird für einen wichtigen Zweck wert geschöpft. Das Kleingewerbe und auch der Gartenbau würden davon profitieren, weniger Waren würden vom Nordsudan, Äthiopien und Uganda ins Land gebracht werden, dadurch würden wieder Arbeitsplätze entstehen. Wenn Beispielsweise MiakWadang eine Maschine für eine Gemeinschaft anschafft, könnte diese Gemeinschaft einen Teil in der üblichen Landeswährung und einen in einer Regionalwährungen zurück bezahlen. MiakWadang könnte im Gegenzug

Kinder von Nyeyok beim Spielen mit Lehmfiguren

Kinder von Nyeyok beim Spielen mit Lehmfiguren

wieder Dienstleistungen über die Regionalwährung beziehen. Ein weiteres Beispiel wäre, einen Vertrieb von einfachem Werkzeug aufzuziehen, wie mit dem Maisrebler. Mühevolle müssen die Menschen die Maiskolben entkernen, wobei es eine einfache, praktische Maschine, den Maisrebler gibt. Eine findige Person könnte in den anderen Dörfern Maisrebler vertreiben. Für den Maisrebler bekommt die Person Geld in der Landeswährung, für die Montage ein Guthaben in der Regionalwährung. In Brasilien laufen derzeit über 30 staatlich unterstützte Regionalwährungs-Projekte .

 

Dinka Rundhaus in Nyeyok

Dinka Rundhaus in Nyeyok

Öko-Tourismus und Zukunftsaussichten

Um eine breite Masse für die Menschen im Südsudan gewinnen zu können, könnte in Schlierbach zur Landesausstellung 09 ein einfaches Dinka-Haus nachgebaut werden. Mit lebensgroßen Holzfiguren auf welche Fotos aufkaschiert sind. Schautafeln könnten Bilder des täglichen Lebens zeigen. Vielleicht wäre auch eine Übernachtungsmöglichkeit in diesem Haus anzugedenken. Der Vorteil ist, man braucht kein Visum, keine Impfungen, es fehlen Unmengen an Moskitos und es gibt auch nicht 38°C im Schatten. In den nächsten Jahren könnte auch ein Permakultur-Kurs in Melut abgehalten werden, wobei Teilnehmer aus dem Westen, afrikanische Teilnehmer finanzieren. Es wären sicher auch manche Menschen daran interessiert für die Teilnahme an einer Projektreise zu bezahlen, nur bedarf es dazu der nötigen Infrastruktur. Das muss langsam wachsen können, Partner wie zum Beispiel Philipp mit seinem Guesthouse sollten gefunden werden. Englisch sprechende Übersetzer werden in den Dörfern gebraucht, die sich so auch ein kleines Nebeneinkommen verdienen könnten. Vorallem sollte den Besuchern eine sinnvolle Beschäftigung geboten werden, damit sie auch einen Beitrag zum Gesamtprojekt leisten können und sich nicht als Melkkühe verstehen.

Grundriss eines Dinka-Hofes

Grundriss eines Dinka-Hofes

Die Menschen von Nyeyok haben in ihrer bisherigen Lebensweise einen sehr geringen Einfluss auf ihre natürliche Umgebung. Abgesehen von der Brandrodung und dem

Kinder von Nyeyok, mit Asche als Moskitoschutz eingerieben

Kinder von Nyeyok, mit Asche als Moskitoschutz eingerieben

Müllproblem. Sie bauen mit einfachsten Mitteln und Werkstoffen aus der Natur, welche der Natur ohne Verschmutzung rückgeführt werden können. Sie werden nie die Chance haben, auch nur annähernd unseren Lebensstil zu erreichen, da wir selbst gerade erkennen müssen, dass unsere „zivilisierte“ Kultur in einer Sackgasse endet. So plädiere ich für einfache und langsame Veränderungen, denn wir können sie nicht dazu zwingen die selben Fehler wie wir zu machen. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir die Menschen jetzt dort verdursten und verhungern lassen sollen. Gesunde Menschen für eine gesunde und friedliche Zukunft. … weitere Fotos

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